


Erwerbslosigkeit macht krank! Dies ist keine neue Erkenntnis für Betroffene. In einer Studie die vom DGB in Auftrag gegeben wurde, wurde dies nun mit wissenschaftlichen Fakten untermauert. Hier die harten Fakten:
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Im Vergleich zu Beschäftigten treten bei Arbeitslosengeld (ALG)-I-Empfängern mit fast 26 Krankheitstagen inzwischen mehr als doppelt so viele Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) auf. Arbeitslose weisen demnach den mit Abstand höchsten Krankenstand aller Versichertenauf. Da anzunehmen ist, dass Erwerbslose bei kürzeren Erkrankungen zumeist auf eine Krankmeldung verzichten, werden die Fallzahlen bei der Arbeitsunfähigkeit sogar eher unterzeichnet.
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Ein weiterer Indikator für eine besondere und sich weiter verstärkende Morbiditätsbelastung bei Arbeitslosen sind aus Sicht der Krankenkassen die extrem langen Krankheitsdauern. Analysiert man die Krankheitsursachen so gehen fast die Hälfte der AU-Tage von ALG-I-Empfängern auf Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems sowie auf psychische Störungen zurück. Aufgrund von Krebserkrankungen waren ALG I-Empfänger mehr als doppelt so lang wie pflichtversicherte Beschäftigte und über dreimal so lang wie freiwillig versicherte Beschäftigte arbeitsunfähig. Ähnliche Tendenzen zeigen sich auch bei den durch Herz- und Kreislauferkrankungen oder Erkrankungen des Nervensystems verursachten Ausfallzeiten.
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Als besonders harte Daten gelten Fallzahlen stationärer Behandlungen: Im Vergleich zu Beschäftigten haben sich ALG-I- und ALG-II-Bezieher doppelt so häufig einer Behandlung im Krankenhaus unterziehen müssen und dabei die 2,8 fache Zeit in stationärer Behandlung verbracht. Die Behandlung psychischer Erkrankungen macht hier den größten Anteil aus. Bei Männern waren Langzeittherapien von Alkoholerkrankungen vorrangig. Bei Kosten von ca. 200 € pro Krankenhaustag wird schnell deutlich, welche finanziellen Mittel die gesetzlichen Krankenversicherungen für diese Versichertengruppe aufwenden.
Als die bedeutendsten Faktoren die diese Entwicklung begünstigen, wurde die Dauer der Erwerbslosigkeit und die finanzielle Situation genannt. "Existenzielle materielle Sorgen und zunehmend verringerte finanzielle Handlungsmöglichkeiten beeinflussen die psychische und körperliche Gesundheit."
Eine besonders deutliche Zunahme ist bei den psychischen Erkrankungen festzustellen.
Es werden eine Reihe präventiver und therapeutischer Maßnahmen vorgeschlagen und die schlechtere Erreichbarkeit Erwerbsloser durch Präventionsangeboten durch die gesetzlichen Krankenkassen kritisiert.
"Für sozial Benachteiligte und Arbeitslose stellen die Finanzierungs- und Erstattungsregelungen ein grundsätzliches Hindernis dar. Die Zielgruppe, die aufgrund der vorliegenden Forschungsergebnisse und Gesundheitsberichterstattung den größten Handlungsbedarf hätte, wird also mit den entsprechenden Präventionsmaßnahmen im Gesundheitssystem kaum erreicht."
Es ist begrüßenswert, dass in dem Gutachten der Zusammenhang von Erkrankungen und der schlechten finanziellen Situation, der Isolation durch die Erwerbslosigkeit und soziale Diskriminierung hergestellt wird.
Es ist allerdings zweifelhaft, ob eine bessere Gesundheitsvorsorge erreicht wird, wenn die Aufgaben präventiver Maßnahmen in die Hände der Grundsicherungsträger übergeben wird (wie in der Studie gefordert). Sollten die Argen bzw. "Jobcenter" die Aufgabe bekommen präventive Gesundheitsvorsorge zu organisieren, dann hat dies den gleichen Erfolg, wie die Argen bei der Vermittlung in existenzsichernde sozialversicherungspflichtige Arbeit haben, nämlich überhaupt keinen.
Es ist leider der Geist der Hartz IV-Gesetze, den Erwerbslosen nicht zu helfen, sondern Ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen.
Aber letztendlich heißt es am Schluss der Studie: "Bei allen gut gemeinten Ansätzen zur psychosozialen Stabilisierung und zum Aufbau von Gesundheitskompetenzen sollten aber die damit verbundenen Erwartungen an Arbeitslose realistisch bleiben: Von Erwerbslosen in einer prekären Lebenssituation - unter schwierigen finanziellen Bedingungen, in unsicherer Zukunftsperspektive, in einem Klima sozialer Diskriminierung - sollte
im Hinblick auf ihr (Gesundheits-) Verhalten nicht mehr erwartet werden als von Menschen in stabilen Lebensverhältnissen."