Angela Merkel, Mutter der Nation

DruckversionDie Seite versendenPDF-Version

Vielen ist bekannt, welcher Widerspruch besteht in der Beliebtheit der Bundeskanzlerin Merkel als Person und deren politischen Zielen. Es klafft eine riesige Kluft. Während der stets gut in den Medien positionierten Kanzlerin große Beliebtheit entgegen schlägt, lehnt die Mehrheit der Bevölkerung aber die politischen Inhalte für die Angela Merkel steht ab.

Ein Sieg der von den Medien beherrschten Demokratie, die die Inhalte politischen Wirkens, hinter Promi-Klamauk und -Gehabe zurück stellt. Eine Bundeskanzlerin, die während der Fußball-EM gemeinsam mit der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung mit fiebert und nicht nur mehrmals während der Liveübertragung auf der Ehrentribüne eingeblendet wird, sondern auch in der Halbzeit und nach dem Spiel, vor einem Publikum, das größer nicht sein könnte, Interviews und ihre mütterlichen Ratschläge zum Besten geben darf, könnte sich keine größere Werbung wünschen.

Und dies wird die CDU bei der nächsten Bundestagswahl nutzen. Es ist zwar nicht neu, dass ein Wahlkampf auf bestimmte Personen ausgerichtet wird, aber die CDU wird diese Wahlkampftaktik vollenden. Denn was hat sie denn sonst noch anzubieten?

Was hat sie der zunehmenden Armut, die besonders hart Kinder und Rentner trifft, entgegenzusetzen, als ihr ewiges Mantra vom Aufschwung der alles richtet. Denn worauf es denen ankommt, deren Theorie lediglich darin besteht, dass ein Aufschwung herbei geführt werden soll, indem man Kosten senkt und Gewinnerwartungen steigert, ist dass die Zahlen der Statistik schön aussehen.

Denn diese sollen nicht nur für die Richtigkeit dieser Theorie herhalten, sondern auch den Beweis antreten, dass die unter Hartz IV bekannt gewordenen Arbeitsmarktreformen für das angebliche Jobwunder, dass es im letzten Mini-Aufschwung angeblich gegeben haben soll, ausschlaggebend waren.

Wer fragt dann noch, was sich hinter den monatlichen statistischen Belegen für die Richtigkeit von Hartz IV, die von der Bundesagentur für Arbeit herausgegeben werden, wirklich gehaltvolles abspielt? Das sich hinter diesen Zahlen Hunderttausende Ein-Euro-Jobs und Erwerbslose die in bestimmten Maßnahmen, außerhalb der Statistik geparkt werden, verstecken? Das der Rest des Jobwunders aus mehreren Hunderttausend Minijobs, Jobs mit geringer Entlohnung, sogenannte "Leiharbeiter" und Selbstständige mit zweifelhaften Erfolgsaussichten, die allesamt von ihrem Einkommen gar nicht leben können, besteht?Und nur eine kleine Minderheit von diesem "Jobwunder" , dermaßen profitiert, das es sich ein würdevolles Leben leisten kann?

Aber dass die Löhne auf breiter Front fallen, während die Preise explodieren, diese Kratzer im Lack der schönen Karosserie, des mit Hilfe geballter Kompetenz von Wirtschafts-Weisen und -Wissenschaftler konstruierten Fahrzeugs der Arbeitsmarktreform, werden lediglich von erfolgreich in die Schmuddelecke gestellter Linker diskutiert.

Und wer erklärt uns, was wir unseren Kindern antworten sollen, auf die Fragen, warum wir uns nicht mal leisten können, in den Zoo zu gehen? Kein Fantasialand, kein Spaß- und Freizeitbad, kein Urlaub, kein Sportverein, etc., etc.? Obwohl uns tagtäglich erklärt wird, dass die beste soziale Versicherung ein Job ist? Dann bleibt noch zu sagen: "Liebes Kind, mehr Geld bringt überhaupt nichts, denn die Gelehrtenwelt hat festgestellt, dass ich mir ledlich ein Bier mehr am Tag hinter die Bimsen kippen würde, denn wir Menschen aus dem Prekariat haben weder Interesse an der Bildung unnserer Kinder, noch an einer anspruchsvollen Freizeitgestaltung. Also sei froh, dass wir nicht mehr Geld haben!"

Mit ein wenig unbehaglichem Gefühl werde ich es mit dieser Antwort bewenden lassen, obwohl ich selten Bier trinke und sehr gerne mit meinem Sohn in den Zoo gehe. Na ja, aber ich kann ja kaum dem geballten Sachverstand deutschem Bildungsbürgertums etwas entgegen setzen, welcher sich durch die Flaggschiffe der intellektuellen Medien, wie "Die Zeit",  "Der Spiegel" oder "Die FAZ", äußert. Die kommen aus einer Schicht, in der halt Bildung mehr zählt, als im bescheidenen bildungsfernen Horizont meines Unterschichten-Daseins.

Aber wenn mich Zweifel und Frust überfallen, dann schalte ich den Fernseher ein und ein warmes Gefühl der mütterlichen Geborgenheit überkommt mich, wenn die Mutter der Nation mit uns leidet und mit menschlichen Gesten und Zeichen, uns unter ihrer Brust versammelt.

Dann lasse ich mir von unserer Mama erklären, dass alles nicht so schlimm ist und unsere Armut nur eine "Gefühlte Armut" ist.

Und wenn sie mich im kommenden Wahlkampf mit ihrem gütigen und mitfühlendem Blick von den Plakaten anschauen wird, dann weiß ich wo ich mein Kreuzchen zu machen habe...

Brauchen Sie Hilfe oder haben Sie Fragen: Email an info[at]arbeitslos-bonn.de oder benutzen sie das Kontaktformular
kleines Logo Arbeitslosengruppe Bonn/Rhein-SiegGewerkschaftliche Arbeitslosengruppe in der Region Bonn-Rhein-Sieg c/o GEW, Stadtverband Bonn; Kontakt: Horst Lüdtke Tel. 0228/ 65 39 55 Das Treffen findet jeden 2. Donnerstag im Monat statt.